Die zehn Gebote eines Liberalen

  • Fühle dich keiner Sache völlig gewiß.
  • Trachte nicht danach, Fakten zu verheimlichen, denn eines Tages kommen die Fakten
    ans Licht.
  • Versuche niemals, jemanden am selbständigen Denken zu hindern, denn das würde dir
    gewiß gelingen.
  • Wenn dir jemand widerspricht, und sei es dein Ehegatte oder dein Kind, bemühe dich,
    ihm mit Argumenten zu begegnen und nicht mit Autorität, denn ein Sieg, der von Autorität
    abhängt, ist unrealistisch und illusionär.
  • Habe keinen Respekt vor der Autorität anderer, denn es gibt in jedem Fall auch
    Autoritäten, die gegenteiliger Ansicht sind.
  • Unterdrücke nie mit Gewalt Überzeugungen, die du für verderblich hältst, sonst
    unterdrücken diese Überzeugungen dich.
  • Fürchte dich nicht davor, exzentrische Meinungen zu vertreten; jede heute gängige
    Meinung war einmal exzentrisch.
  • Freue dich mehr über intelligenten Widerspruch als über passive Zustimmung, denn
    wenn dir Intelligenz soviel wert ist, wie sie die wert sein sollte, dann liegt im
    erstgenannten eine tiefere Zustimmung als im letztgenannten.
  • Befleißige dich peinlich der Wahrheit, selbst dann, wenn sie nicht ins Konzept paßt; denn
    es paßt noch viel weniger ins Konzept, wenn du versuchst, sie zu verbergen.
  • Beneide nicht das Glück derer, die in einem Narrenparadies leben, denn nur ein Narr
    kann das für Glück halten.

"Die zehn Gebote eines Liberalen" hat Bertrand Russell am 16.12.1951 in der "New York Times" unter
dem Titel "Die beste Antwort auf Fanatiker: Liberalismus" veröffentlicht.